Die Vier Jahreszeiten - chemisch inszeniert - musikalisch untermalt

Die Experimentalshow „Vivaldi goes chemistry“ begeisterte am Donnerstag, dem 12. März, das Publikum am SMG.

"Unsere Versuche sprechen erst in zweiter Linie den Verstand an. In erster Linie zielen sie ins Herz", sagte Dr. Roland Full in seinen einleitenden Worten. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Dr. Werner Ruf interpretierte er Vivaldis Werk "Die vier Jahreszeiten" in einem ungewöhnlichen Zusammenspiel aus Chemie, Naturfotografie und Musik.

Der Abend gliederte sich in zwei Teile. Bevor die beiden ehemaligen Gymnasiallehrer aus Unterfranken live experimentierten, zeigten sie einen auf Vivaldis Vier Jahreszeiten abgestimmten Diavortrag mit dem Titel „Chemie im Spiegel der Natur“. Landschaftsaufnahmen des passionierten Ballonfahrers und Fotografen Werner Ruf wurden übergeblendet in Bilder chemischer Versuche mit erstaunlichen Analogien. Eisendrähte in saurer Lösung von rotem Blutlaugensalz erzeugten z.B. das abstrakte Gemälde einer Luftaufnahme von mit Feldwegen durchzogenen Wiesen und Rapsfeldern.  Und wer hätte gedacht, dass sich aus gelbem Blutlaugensalz in einer Eisenrhodanid-Lösung ein Bild gestalten lässt, das einem langsam fließenden Fluss in einer spärlich mit Bäumen bestückten Wiesenlandschaft ähnelt? Die Grenze zwischen realer Naturaufnahme und chemischer Farb- und Formkomposition verschwand zusehends.

Mit 17 Live-Experimenten unter dem Motto „Natur im Spiegel der Chemie“, sekundengenau getaktet auf die unterlegte Musik, konnten die beiden Chemiker die Faszination des Publikums im zweiten Teil des Abends sogar noch steigern. Im Rücken der Betrachter führten sie die Versuche in kleinen Petrischalen aus. Das eingespielte Team agierte in einem für den Laien unüberschaubaren Wust aus diversen Laborgeräte sowie kleinen Fläschchen und Döschen mit verschiedensten Chemikalien und zauberte sich selbst malende Bilder. Lichtstarke Projektoren warfen das Livebild über die Köpfe der Zuschauer hinweg extrem vergrößert auf die Leinwand.

Auch in diesem Teil des Abends bildete der Wandel der Jahreszeiten den thematischen Rahmen der Vorführung. Charakteristische Naturschauspiele wie das Keimen von Pflanzen im Frühjahr, das Aufblühen einer sommerlichen Blumenwiese, der durch die Landschaft wabernde Herbstnebel oder das fensterverzierende Wachsen von Eisblumen im Winter wurden in der Petrischale inszeniert. Besonders beeindruckend, wie die Nachfragen von Schülern am Ende der Vorstellung zeigten, war die Darstellung von durch die Projektion schwirrenden „Hummeln“. Dr. Ruf erklärte den Neugierigen, dass dazu ein Gemisch aus destilliertem Wasser, etwas verdünnter Salzsäure, Neutralrot-Lösung als Indikator und einigen Tropfen eines Neutraltensids nötig waren. In diese Lösung wurden zudem kleine Natriumstückchen gegeben, die sofort reagierten und sich wie kleine Hummeln in der Schale rasant hin und her bewegten.

Der zweite Teil der Vorstellung wurde durch klassische Kompositionen von z.B. Paganini oder Vivaldi, aber auch mittels Werken aus den Bereichen Jazz, Rock und Pop unterlegt. Die Farb- und Formenspiele entwickelten sich passend zu Ben Websters Saxophon, Melodien der fantastischen Vier oder den Gitarren von Mark Knopfler, Steve Vai und Steve Morse.

 

Dank des Einsatzes der Schüler und Schülerinnen des P-Seminars Deutsch der Q11 unter Leitung von Frau Seidenath konnten sich die Gäste des SMG vor und auch nach der Veranstaltung an einem liebevoll gestalteten Büffet mit Snacks und Getränken versorgen.

Die Begeisterung der Zuschauer für die gelungene Veranstaltung griff Schulleiterin Weigel nach der Vorstellung auf und zeigte sich selbst sehr angetan von den für sie unerwarteten Seiten der Naturwissenschaft Chemie. Sie bedankte sich herzlich bei Dr. Full und Dr. Ruf für die bleibenden Eindrücke, aber auch beim Fachbetreuer für Chemie Fischer für die Organisation der Veranstaltung und beim Freundeskreis des SMG für die Finanzierung des Abends, der dem Publikum in der sehr gut besuchten Aula die Chemie von ihrer schönsten Seite zeigen konnte.

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