Wo kommen wir her - wo gehen wir hin?

Wo kommen wir her - wo gehen wir hin?

Interdisziplinärer Abendvortrag am Simon-Marius-Gymnasium

Auch wenn dieses Mal der Schwerpunkt des Vortrags nicht allein auf der Astrophysik lag, trifft die Publikumsreaktion "Wieder eine Sternstunde am Simon-Marius-Gymnasium" sicher die Meinung aller Interessierten, die sich am Donnerstag, 18. Februar 2016 in der Aula versammelten, um sich gemeinsam mit dem Referenten Dr. Josef Gaßner (Kosmologe und Grundlagenforscher) Gedanken über die Entstehung des Lebens zu machen. Nach der Eröffnung des Abends durch die Schulleitung, fesselte Herr Gaßner bereits innerhalb seiner ersten Worte das Publikum. Nicht nur diejenigen, die ihn von seinem Vortrag am Simon-Marius-Tag vor zwei Jahren kannten, erkannten sofort, dass ein faszinierender Ausflug in die Welt verschiedener Wissenschaften bevorstand.

Herr Gaßner fasste kurz die wichtigsten Punkte seines letzten Vortrags zusammen, um den Anschluss an das diesjährige Thema zu verdeutlichen. Hierbei entführte er die Anwesenden gleich zu Beginn mit gigantischen Aufnahmen und Simulationen in den Pferdekopfnebel in Mitten des Sternbilds Orion. Ausgehend von der Entwicklung von Sternen, wie unserer Sonne, erläuterte er, warum und auf welche Weise Planeten entstehen können. Eine Voraussetzung dafür, dass sich dort überhaupt Leben entwickeln kann stellt die Planetenpositionierung innerhalb der sogenannten habitablen Zone in der Nähe des einzelnen Zentralsterns dar.

     

Damit aus diesen Planeten mehr werden konnte als öde Gesteinswüsten, wurde unbedingt flüssiges Wasser benötigt. Der Referent veranschaulichte die Möglichkeit, dass dieses Wasser durch Einschläge von außen auf die Urerde gebracht wurde.

Im weiteren Fortgang dieses Exkurses in die Geologie sahen die Anwesenden Bilder aus der Geschichte der Erdentwicklung, insbesondere Simulationen der Gestalt ihrer Atmosphäre. Wie diese und das Geschehen im Erdinneren zusammenspielen mussten, damit letztendlich eine lebensfreundliche Atmosphäre auf unserem Planeten entstehen konnte, verdeutlichte Herr Gaßner anschließend. Vom interessierten und mitdenkenden Publikum erhielt er auf seine Frage nach der Herkunft notwendiger Treibhausgase auch prompt die weiterführende Antwort "Vulkanismus".

   

Unterstützt durch die fesselnde Gestik und Mimik des Vortragenden erlebten die Anwesenden anschließend gleichsam "live" mit, wie es in der Atmosphäre damals "rund ging", wie sich in der "Ursuppe" die Bausteine des Lebens entwickelten und in Nischen, wie wir sie heute von "Black Smokern" kennen, das Leben erste Schutzräume fand, um erstmals Fuß zu fassen auf unserem Planeten.

 

Faszinierend war für viele, dass das Erfolgsmodell der Evolution nicht die "Ellbogenmentalität" darstellte, sondern vielmehr die Fähigkeit zur Kooperation die Basis der Evolutionsgewinner war. Herr Gaßner stellte diese und ihre Nachfolger in Sachen Überlebensstrategien dem Publikum vor, wobei er unter anderem faszinierende Rasterelektronenmikroskopaufnahmen seines "Lieblingslebewesens", dem Bärtierchen zeigte. Mindestens so erstaunlich war für viele der Anwesenden die Tatsache, dass das größte Lebewesen auf der Erde ein Pilz ist, dessen Mycel ein gesamtes Gebirge durchzieht. Bereits zu diesem Zeitpunkt des Vortrags stellte Herr Gaßner beruhigend fest, dass wir durch Unvernunft zwar möglicherweise uns selbst, aber ganz sicher nicht "das Leben" auf der Erde ausrotten werden. Denn das Bärtierchen überlebt alles und auch die Insekten zeigen eine sehr hohe Widerstandskraft gegen widrige Einflüsse.

 
 

Jetzt schlug der Referent den Bogen von den Bausteinen des Lebens, der DNA, über die Lebensenergieerzeugung durch Photosynthese und das Scheitern von "Weltherrschern" wie den Dinosauriern hin zur "Krone der Schöpfung", dem Menschen. "Was der so alles Verrücktes macht, muss man nicht verstehen".

Die anschließenden philosophischen Betrachtungen basierten auf Aussagen von Immanuel Kant. Insbesondere an die Jüngeren im Publikum appellierte Herr Gaßner "Das ist Euer Leben - nehmt es an und macht was draus."

Abschließend ging der Vortragende auch noch auf die Gefahren ein, die unserem Planeten außer der Unvernunft der Menschheit drohen - zum Beispiel den Crash mit der uns nächsten Galaxie, die sich unaufhaltsam auf uns zu bewegt, oder Eruptionen der sich immer weiter aufblühenden Sonne, die unseren Planeten verbrennen. Zur Beruhigung führte er an, dass ein Zusammenstoß mit "viel Nichts" nicht viel bewirkt und dass es bis zum Aufblühen der Sonne noch einige Zeit dauert.

In der anschließenden Fragerunde, zu der sich nach einer kurzen Pause der Großteil des Publikums wieder versammelte, wurden nicht nur einzelne Aspekte des Vortrags vertieft, sondern auch darüber hinaus aktuelle Themen der Astrophysik, wie zum Beispiel die Entdeckung von Gravitationswellen intensiv behandelt. Am Ende seines faszinierenden Vortrags versprach Herr Gaßner, gerne wieder zu kommen und die Schulfamilie und Freunde des Simon-Marius-Gymnasiums mit weiteren astrophysikalischen Themen zu begeistern. Wir freuen uns jetzt schon darauf und danken ihm an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich.

Beim abschließenden gemütlichen Ausklang, an dem außer dem Ehepaar Gaßner, aktiven und ehemaligen Lehrkräften des SMG (nicht ausschließlich Mitglieder der Physikfachschaft) auch einige ehemalige Schüler teilnahmen, weitete sich der Gesprächsstoff nicht nur in andere Wissenschaftsbereiche aus, vielmehr wurde auch über Schule und Studium im allgemeinen sowie über gesamtgesellschaftliche Probleme heiß diskutiert.

 

U. Kiesmüller