Kabale und Liebe – ein bayerisches Trauerspiel

Friedrich Schiller war Schwabe – gedichtet hat er auf Hochdeutsch. Sein Trauerspiel „Kabale und Liebe“ teilweise im bayerischen Dialekt zur Aufführung zu bringen ist also durchaus mutig. Aber ist es auch sinnvoll?

Die Inszenierung, die den Schülerinnen und Schülern der 9. bis 11. Jahrgangsstufe des Simon-Marius-Gymnasiums in der Zionshalle geboten wurde, setzte vor allem auf die angekündigte dialektale Sprachverwendung. Damit sollten in besonderem Maße die Standesunterschiede, die in dem Drama eine große Rolle spielen, herausgearbeitet werden. Da aber nicht alle Darsteller stimmlich überzeugen konnten, verstärkte der oberbayerische Zungenschlag Verstehens- und Verständnisprobleme. Dadurch verpuffte die angestrebte Wirkung in einer Reihe von Szenen. Dennoch gaben die Schauspieler ihr Bestes, um die Intention der Aufführung zu transportieren und die Zuschauer in die Sturm und Drang-Zeit mitzunehmen.

Dies war schon deshalb nicht einfach, da die gesamte Inszenierung sehr minimalistisch angelegt war: Außer einem Holzgerüst, das mit weißem Papier bespannt war, gab es kein Bühnenbild. Effekte wurden erzielt, indem mehrmals hinter der Bespannung in Form eines „Schattenspiels“ agiert wurde, oder durch lautes Zerreißen einzelner Papierbahnen, wenn die Handlung turbulent wurde und die Emotionen brodelten. Zu wenig insgesamt, um die 14- bis 17-jährigen Jugendlichen in ihren Bann zu ziehen. Sparsam war auch die mimische und gestische Umsetzung der inneren Handlung, die Bühnenaktionen bewegten sich in einem relativ kleinen Radius. Man musste also sehr genau hinhören und zusehen, um die Dynamik der Handlung, die grundsätzlich vorhanden ist, nachvollziehen zu können.

Trotz allem war es eine interessante Erfahrung, Schillers Text sprachlich neu interpretiert wahrzunehmen. Theater lebt auch vom Experiment – und das muss nicht immer gelingen.

Das Simon-Marius-Gymnasium ist der Stadt Gunzenhausen dankbar für die jährliche Möglichkeit, Theater zu erleben, ohne immer nach Ansbach, Nürnberg oder Ingolstadt fahren zu müssen. Durch die räumliche Nähe wird der Unterrichtsbetrieb nicht über die Maßen gestört und durch die finanzielle Unterstützung dieser Veranstaltung bleibt der Eintrittspreis erschwinglich. Wir sind gespannt, was für das kommende Jahr „im Angebot“ ist.

R. Wittmann

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